Es gibt da ja diese Online-Petition gegen die Indizierung und Sperrung von Internetseiten. Innerhalb der Web 2.0 Szene gilt es ja schon fast als Pflicht, der Argumentation zu folgen und die Petition zu zeichnen. Ich habe das auch gemacht.
Vor kurzem habe ich einen Freund darauf angesprochen, ob er denn auch unterzeichnet hätte. Er erwiderte schlicht und einfach “nö, ich finde die Sperren ok”. Jetzt hätte es aus mir rausbrechen müssen, hunderte tolle Argumente, was er denn für ein blinder Dummkopf wäre und die Zeichen der Zeit nicht sehe und überhaupt … Aber verdammt, mir fiel nichts schlagkräftiges ein, ausser vielleicht das Wort “Zensursula”, möglicher Missbrauch, das am Ziel vorbeigeschossen wurde, die Ahnungslosigkeit der Politiker. Aber, ist das wirklich schlagkräftig? Mag die Ursula auch eine Medienschlampe sein, die gerne im Rampenlicht steht und auch mal über das Ziel hinausschiesst, wenn man das ganze Traraaa einfach nur mal auf das runterbricht, was es derzeit eigentlich nur ist, nämlich den Zugang zu eklhaften, verbotenen Content zu erschweren, dann ist das völlig ok.
NATÜRLICH muss alles getan werden, diese Inhalte auch komplett zu entfernen, die Hintermänner strafrechtlich zu verfolgen, aber wenn zusätzlich, sagen wir als Sofortmaßnahme, der Zugang erschwert wird, dann ist das doch zumindest nicht negativ.
NATÜRLICH darf die Sperrung nicht so einfach auf andere Bereiche ausgeweitet werden, dürfen keine Personen, die versehentlich oder aus Dummheit auf gesperrte Seiten gelangen, pauschal verdächtigt und verfolgt werden.
Aber seien wir ehrlich, die gesamte Entrüstung im Web 2.0 beruht auf einer “Das Glas ist halb leer” -Einstellung. Wir vermuten böses, wir befürchten Missbrauch. Ob es wirklich soweit kommt, wer weiß es schon.
Wir müssen wachsam sein und bleiben, und wenn das Grundgesetz ausgehebelt wird, müssen wir aufschreien. Aber wenn der Online – Zugang zu etwas wirklich abscheulichen erschwert wird? Zensiert wird in Deutschland im Bereich Printmedien und Fernsehen seit eh und je. Sperren und Zensur sollten nur überprüfbar (transparent) und nachvollziehbar sein, und da wird ja wohl im aktuellen Fall nachgebessert.
Die Online Petition ist gut und sinnvoll, sie hat Politiker dazu gebracht, sich mit dem Thema noch einmal genauer zu befassen und (hoffentlich) die Problematik dahinter besser zu verstehen und sie hat alle für das Thema Zensur sensibilisiert. Wenn dann irgendwann der Zugang zu klar strafrechtlich relevanten Inhalten tatsächlich erschwert wird, habe ich nichts dagegen.