26 Dez 2008

Es war einmal

Geschrieben von um 1:43 Uhr

Es war einmal ein Junge, der freute sich ungemein auf Weihnachten. Diese Vorfreude begann so um den 1. Dezember und endete natürlich 24 Tage später.

Zum Glück wurde die lange Zeit der Vorfreude mit einem Halbzeit-Event versüsst. So ca. 2 Wochen vor Weihnachten ging die ganze Familie (jedes Jahr wieder) in ein Theater mitten in der großen Stadt. Das war immer ein aufregendes Ereignis, denn der Weg dorthin wurde mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Es wurde mit dem Bus gefahren, dann mit dem Zug, der S-Bahn und auch noch der U-Bahn. Unterwegs traf die Familie dann immer auf das Familienoberhaupt, welches direkt von der Arbeit dazu stiess. Und jedes Jahr gab es die Befürchtung, das Familienoberhaupt in der großen Stadt zu verpassen / nicht zu finden, oder sich gar zu verirren. Schließlich gab es noch keine Handys, kein GPS. Aber es hat (natürlich) immer funktioniert.

Die ganze Familie saß schließlich im Theater und es wurde ein Weihnachtsmärchen aufgeführt, nach der Anreise das zweite Highlight. Man saß dort zusammen mit vielen Kindern und den Eltern und schaute gebannt dem Schauspiel zu. Es war und blieb immer der einzige Theaterbesuch des Jahres und auch deshalb war es etwas besonderes.

Anschließend ging es dann einen großen langen (ganz langen) Gang entlang Richtung Ausgang. Und da kam dann das dritte Highlight des Abends. Auf dem Gang standen zwei Tische, am ersten gab es für alle Kinder eine RIESIGE Weihnachtstüte mit Süßigkeiten und am zweiten Tisch bekam jeder ein tolles Geschenk vom Weihnachtsmann überreicht. Es war immer ungeheuer aufregend, diesen langen Gang mit vielen anderen Kindern entlang zu gehen und dabei langsam dem Weihnachtsmann (und damit einem Geschenk) immer näher zu kommen (natürlich staute es sich vor den Tischen, deshalb ging es nur in Trippelschritten voran und vermutlich wirkte deshalb auch rückblickend der Gang so ewig lang).

Die Geschenke wurden zwar anschließend von den “bösen” Eltern beschlagnahmt und erst am 24. wieder herausgegeben, das war aber nur ein kleiner Wermutstropfen eines aufregenden Abends.

Und was steckte nun aus der Sicht eines Erwachsenen hinter der ganzen Geschichte:
Organisiert wurde alles vom damalige Arbeitgeber des Familienoberhauptes. Dieser hat sich nicht nur mit Weihnachtsgeld begnügt, er wollte den Kindern der Arbeitnehmer zusätzlich noch direkt eine Feude machen. Also wurde ein großes Theater gemietet und alle Beschäftigten mit Familie bekamen die Möglichkeit, Karten für das Weihnachtsmärchen zu erstehen, inklusive zwei Gutscheine pro Kind, einen für die Süßigkeitentüte und einen für ein Geschenk.

Den Arbeitgeber gibt es immer noch, inzwischen ist es aber ein internationaler Konzern und es herrschen die Regeln einer Aktiengesellschaft. Soweit ich weiß, ist das Weihnachtsmärchen schon lange Vergangenheit und auch das Weihnachtsgeld ist keine Selbstverständlichkeit mehr.

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2 Kommentare

  1. Kommentar ohne Gravatar

    Hans-Georg

    um 10:07 via Website

    26 Dez 2008

    Lieber den Aktionären mehr Dividende zahlen als Kindern eine kleine Freude machen! Ich finde Aktiengesellschaften zum Kotzen.

  2. Kommentar ohne Gravatar

    Micmox

    um 21:47 » Autor-Kommentar «

    26 Dez 2008

    Ich wollte es nicht sooo deutlich schreiben, aber der Meinung bin ich auch.