24 Aug 2008

Der erste Sonntag danach

Geschrieben von um 18:38 Uhr

Gedanken, nach einer Woche.

Der Knoten

Verknotet ist die Situation, sogar sehr verknotet. Trotzdem bin ich nach wie vor der Meinung, dass der Knoten gelöst werden kann, vorsichtig und Stück für Stück. Aber ich kann nicht alles überblicken, und wer weiss, vielleicht sitzen ja versteckt noch Schlingen und Wirren, die ein Lösen unmöglich machen.

Mir war es egal, ich habe in den letzten Wochen fast verzweifelt versucht, diesen Knoten zu lösen und dabei wurde er immer fester und immer komplizierter. Alleine geht es nun mal nicht. Also lasse ich es jetzt. Kein einseitiges Ziehen und Zerren mehr, es liegt jetzt in der Ecke, das Band mit dem Knoten. Nur was passiert mit einem Gewirr, das in die Ecke geschmissen wird? Holt man es hervor, ist es noch verknoteter als vorher. Aber was mache ich mir darüber Gedanken, es sollte mir erst einmal egal sein. Hoffentlich finde ich auch noch eine Möglichkeit, die dieses elende verknotete Gewusel in der Ecke überdeckt.

Alleine

Seit einer Woche alleine. Eingekauft, aufgeräumt, umgeräumt, geplant, mehr Aktivitäten als vorher. Es scheint, als wäre eine Blockade gelöst. Es ist erstaunlich, wie zwei Menschen sich gegenseitig so viel an Lebensfreude nehmen, wenn sie einfach nicht mehr auf einer Ebene leben und agieren können. Ich habe den Spruch von “keine Luft bekommen” noch im Ohr und er trifft tatsächlich den Kern. Ein Zusammen ist nur noch anstrengend und einschnürend, wenn keine gemeinsame Basis mehr gefunden wird. Jetzt befinde ich mich in einem ständigen auf und ab, Enttäuschung, Aufbruch, Niedergeschlagenheit, Euphorie, Trauer, Entspannung, Rumgammeln, Aktion. Vorher war es fast ausschließlich “ab” mit Hoffnung auf “auf”. Wenn man es so betrachtet, ist es tatsächlich besser so alleine.

Gestern Abend zum Beispiel im Keller den Mini-Billiardtisch frei geräumt, dabei Oktoberfestbier aus einer Literdose getrunken, anschließend gegen mich selber eine Partie gespielt, einzweidrei Tränen verdrückt. Aufbruch und Traurigkeit liegen eng beieinander zur Zeit.

Kompromiss

Mein jetziges Zuhause ist den Umständen geschuldet. Unter den damaligen Bedingungen und Planungen war es der konsequente, logische und vernünftige Weg. Allerdings sind diese Umstände jetzt nicht mehr aktuell, sie haben sich verändert. Und nun lebe ich mit zuviel Raum, zuviel Garten und zuwenig in “meiner” jetzt gewünschten Umgebung. Ich bin diesen Kompromiss mit guten Gewissen eingegangen. Zu dem Zeitpunkt, wo ich ihn geschlossen habe, war er richtig und gut. Das ganze hatte nur einen Haken, ändern sich die Umstände, muß ich so weiter leben. Ich kann nicht einfach den Ort wechseln und neu anfangen, ich bin nun an mein jetziges Zuhause durch verschiedene kaum lösbare Faktoren gebunden. So muß ich mich jetzt arrangieren, wo ich doch viel lieber Abstand gewinnen würde. Ich versuche das zu kompensieren, durch einen radikal neuen Job, den ich mir vor einem Jahr noch nicht vorstellen konnte, den ich jetzt aber mit Freuden antreten werde, der mich neue Erfahrungen machen lässt, der mich zur Weiterentwicklung treibt, durch den ich neue Menschen kennenlernen werde.

Person der Woche

Madonna ist 50 geworden. Ich bin kein Fan, faszinierend finde ich die Frau aber schon. Sie hatte mit Sicherheit kein außergewöhnliches Talent, aber sie hatte den Willen und das Gespür, nach wie vor. Und so hat sie ihren Weg und ihre Erfahrungen gemacht. Interessanterweise habe ich diese Woche ihre Live-Dvd “I’m going to tell you a secret” entdeckt, mit für mich treffenden Aussagen:

Ich habe aus ganz falschen Gründen geheiratet. Als mein Mann nicht so war, wie ich ihn mir vorstellte, wollte ich alles einfach hinschmeißen. Es gibt keinen perfekten Seelenverwandten. Wenn du jemanden triffst und denkst, er ist perfekt, dann lauf so schnell wie möglich in die andere Richtung, denn dein Seelenverwandter ist wirklich der, über den du dich regelmäßig aufregst und der deinen eigenen Kram an die Oberfläche bringt.

Es ist nicht einfach eine gute Ehe zu haben, aber ich will nicht “einfach”. Bei “einfach” lernst du nichts. “Einfach” bringt dich nicht zum nachdenken. Ich danke Gott jeden Tag, dass ich einen Mann geheiratet habe, der mich zum Nachdenken bringt. Das ist meine Definition von wahrer Liebe.

Das ist ziemlich genau das, was ich denke und weshalb ich unter anderem meine Frau geheiratet habe. Ich wollte keine Frau, die ist, wie ich, die genau die gleichen Interessen hat und mir nach dem Mund redet. Ich wollte eine Frau die mich fordert, mit der jeder Tag etwas besonderes, reizvolles ist. Was ist denn schon so toll daran, dass der Deckel perfekt auf den Topf passt. Erst wenn es wackelt und klappert und man improvisieren muß, daran arbeiten muß, dass es, obwohl nicht perfekt, trotzdem funktioniert, dann wird es doch erst richtig interessant.

Andererseits muß man sich bei seinem Partner aber auch fallen lassen können, sich sicher fühlen. Das ist etwas, was erst nach längerer Zeit entstehen kann, etwas sehr wertvolles. Irgendwann hat man den Bogen raus, man weiss genau, wie der Deckel auf den Topf zu setzen ist, damit es klappt. Daraus ergibt sich dann eine einmalige, interessante Kombination. So etwas aufgeben ist nicht einfach und ein Grund, weshalb ich in den letzten Monaten nicht so ohne weiteres hingeschmissen habe. Bei meiner Frau hatte ich dieses Gefühl, sie hat dieses besondere. Leider ist unsere Beziehung komplett aus dem Gleichgewicht geraten und wir waren nicht mehr in der Lage uns einzupendeln. Und dann muß irgendwann einfach die Konsequenz gezogen werden.

Der Weg

Ich könnte mir durchaus vorstellen, Kinder groß zu ziehen. Es hat lange gedauert, bis ich zu der Überzeugung gekommen bin. Als sie aber gereift ist, konnte ich gut damit leben. Davon erst einmal wieder Abstand zu nehmen fällt daher schwer. Der Zug ist zwar nicht abgefahren, aber man sollte sich eingestehen, dass das Aufziehen von Kindern schwieriger wird, je älter man selber wird. Ab einem gewissen Alter klappt es einfacher nicht mehr so gut, mit Kindern gemeinsam durch die Welt zu toben.

Jetzt stehen durch die veränderten Umstände meine Prioritäten anders, die persönliche Ausrichtung ist eine ganz andere, und das “neu einpendeln” ist schwierig.

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