S ist zusammengesunken und nicht wieder aufgestanden, einfach so, in der Öffentlichkeit an einem Dienstag. S war der Sohn der besten Freundin meiner Mutter. Kinder sollten nicht vor ihren Eltern sterben sagte meine Mutter, als sie mir das Ereignis mitteilte, und nicht so plötzlich und unvermittelt ergänzte ich denkender Weise.
So etwas passiert vermutlich ständig irgendwo, aber S gehörte zu meiner Generation und ich kannte ihn, zwar nur sehr sehr flüchtig, trotzdem kann ich mit S ein Gesicht und eine Stimme verbinden.
So drängt sich heute mal die ohnehin bekannte Erkenntnis in den Vordergrund, dass wir nicht ewig Zeit haben und alle ständig auf dünnen Eis wandeln, dass jederzeit brechen kann.
Ein Grund mehr, endlich damit aufzuhören, dass ich meine Energie und Lebensfreude mit den ständigen Versuchen verschwende, runde Bauklötzchen stapeln zu wollen.

