Ich schreibe ins Internet. Damit öffne ich anderen bewusst ein Fenster meines Lebens. Es ist wie bei einer Spiegelwand, ich schaue von einer Seite hinein und sehe nur mich. Auf der anderen Seite schauen andere durch den Spiegel und können an meinem öffentlichen Ich teilhaben.
Das wollte ich so und das ist auch so ok. Aber ganz blind bin ich nicht. Wir hinterlassen im Internet grundsätzlich unsere Spuren, und wenn ihr vor meine Spiegelwand tretet und kurz schaut, dann wird auch das protokolliert, automatisch. Und wenn ich will, kann ich mir das anschauen. Ich kenne nicht eure Namen, sehe keine Gesichter, aber die paar nackten Daten, die ich über euch habe, über die mache ich mir manchmal Gedanken.
Zum Beispiel mache ich mir gerade Gedanken, wer DU wohl bist. Du hast meine Domain um kurz vor 5 Uhr heute morgen aufgerufen, an einem Sonntag morgen. Warst du schon wach, oder warst du noch wach? Du hast dir meinen letzten Artikel genauer angeschaut, dann hast du noch meine “letzte Seite” aufgerufen, um vermutlich noch einen kurzen Blick über meine letzten Zwischenrufe zu werfen. Bevor es Punkt 5 Uhr wurde, warst du schon wieder von meinen Seiten verschwunden.
Ich kenne deinen Internet-Provider, deinen Browser, dein Betriebssystem und deine Monitorauflösung. Daraus kann ich Schlüsse ziehen, spekulieren, was du für ein Typ (oder für eine Typin) sein könntest. Interessant, aber eigentlich auch belanglos und unwichtig. Was bringt mir dieses Wissen? Nichts.
Aber manchmal kann man sich auch mit belanglosem und etwas Phantasie die Zeit vertreiben.

