21 Jun 2008

Damit man täglich roboten geht

Geschrieben von Micmox um 16:26 Uhr

Ich fürchte, ich habe mich jahrelang von einem Irrglauben leiten lassen.

In einer Welt, in der man nur noch lebt,
damit man täglich roboten geht,
ist die größte Aufregung, die es noch gibt,
das allabendliche Fernsehbild.

Jeder Mensch lebt wie ein Uhrwerk,
wie ein Computer programmiert. [...]

(aus “Hier kommt Alex” von den Toten Hosen)

Meinen Job, meine tägliche Arbeit habe ich immer hauptsächlich unter dem Aspekt gesehen, dass es abwechslungsreich sein muß. Ich habe mitleidig auf diejenigen herabgesehen, die täglich Gleiches verrichten müssen, Schema F. In allem habe ich wiederkehrende Muster gesehen und somit war ein potentieller Job schnell uninteressant, weil er auf Dauer nichts neues bringt.

Selbst bei Tätigkeiten, wo man mit Menschen zu tun hat, läuft es nach einer gewissen Zeit immer gleich ab. Auch ein Shopblogger kommt jeden Tag in den gleichen Laden mit dem gleichen Personal und immer wiederkehrenden fast gleichen Problemen, selbst ein Lehrer nimmt mit wechselnden Schülern doch irgendwann wieder den gleichen Stoff durch. Dabei ist das Leben doch so kurz, will man da nicht viel lernen und erleben?

Ich selber bin in der IT-Dienstleistungsbranche, IT ist Entwicklung, neue Technologien, daher immer was neues – habe ich mir schön geredet.

Wenn ich jetzt einmal zurückblicke. bin ich vermutlich derjenige, der sich durch die starre Sichtweise in den letzten Jahren am wenigsten bewegt hat und die geringste Entwicklung durchgemacht hat (es gibt dafür auch noch andere Gründe, aber das ist zumindest einer).

Was habe ich denn übersehen, oder falsch verstanden?

Es geht bei dem Songtext, der mich unbewusst geleitet hat, nicht darum, dass man bei immer wieder gleichen Tätigkeiten zum Roboter wird. Es kommt nur dazu, wenn man dabei seine Gefühle verliert, nur noch aus reiner Gewohnheit und “weil es ja sein muß” arbeitet, dass kann einem auch bei vermeintlich abwechslungsreicher Arbeit passieren. Das aller-, aller-, allerwichtigste ist der Spaß bei der Arbeit, und nur das zählt. Und wenn es das tollste beste schönste ist, jeden Tag als Ziegenhirte seine Schafe auf die Weide zu führen, – wenn man dann glücklich und zufrieden ist, was will man noch mehr?

ziegenpeterPS: Bevor Fragen danach aufkommen: Nein, ich will kein Ziegenhirte mehr werden.

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