17 Mrz 2008

Kreuzweg und KZ

Geschrieben von um 15:18 Uhr

Ich gehöre wohl doch eher einer großen Mehrheit an, wenn ich behaupte, dass ich überwiegend nicht glaube. Zwar bin ich getauft, konfirmiert und zahle nach wie vor Kirchensteuer, zwar freue ich mich über die freien Tage über Ostern und kann auch mit der österlichen Geschichte etwas anfangen, dass war es dann aber auch schon mit kirchlichem Bezug

Anders ist es mit dem Bezug zur jüngeren Geschichte, dieser ist realer, greifbarer und deshalb für mich interessanter.

Am gestrigen Sonntag bin ich, durch mein Interesse an deutscher Vergangenheit, der Kirche so nahe gekommen, wie schon lange nicht mehr. Der Auslöser war die Veranstaltung der Katholischen Kirchengemeinde St. Marien Hamburg-Bergedorf. Diese veranstaltet jährlich am Palmsonntag einen Ökumenischen Kreuzweg auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme.

Das KZ liegt reichlich abgelegen, nur Wiesen und Felder so weit das Auge reicht. Es regnet in Strömen und es ist unangenehm kalt. Schon nach wenigen Minuten wird mir klar, die dünnen Schuhe waren trotz dicker Socken eine Fehlentscheidung. Der Kreuzweg beginnt, trotz des Wetters haben fast 100 Menschen den Weg heraus gefunden. Auf dem Gelände werden 9 Stationen abgelaufen, an jeder Station wird ein Text aus der Passion nach Markus, eine Beschreibung des Ortes mit Funktion innerhalb des KZ, ein Augenzeugenbericht aus der aktiven Zeit des KZ und ein Psalm vorgelesen. Diese Mischung und die Stimmung in Verbindung mit dem ungemütlichen Wetter macht das Ganze zu einem besonderen Erlebnis.

Nach zweieinhalb Stunden sitze ich wieder im Auto und lenke die warme Luft der Heizung auf die Füße, die nass und klamm sind. Im Vergleich zu den Leiden, die viele tausende Menschen an diesem Ort erdulden mußten (viele bis zum Tod durch Erschöpfung), sind zweieinhalb Stunden lang klamme Füße ein Witz.

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